Banales aus dem Doppelmasterabschluss (II) – Mein Hirn wird ein Multikultiviertel.

Ja, wie für jeden anständigen Hollywoodblockbuster ist sich auch dieses Thema für eine Fortsetzung nicht zu schade. Möglicherweise auch durchaus mehre.

Bis zur Abgabe bin ich nun etwas über der Halbzeit. Der Themenkomplex, Fragestellung und Gliederung stehen schon einmal grob. Ich hinterlasse überall wo ich mich niederlasse eine Spur aus gelesenen, zerlesenen, und manisch markierte, konnotierte und übersetzte japanische Quellen- und Sekundärliteratur (zur Veranschaulichung habe ich Beispiel als das Titelbild dieses Eintrages gesetzt). Weiter ungelesene Schätze lagern noch umausgedruckt auf dem Rechner und dem Tablet. Kopierte Aufsätze haben ein kleines Loch in mein Budget gerissen und mit meinen Plänen zum Wintersemester ausschließlich nur noch an einem Wohnort zu hausen wird das gefräßige Kopiermonster wohl noch wohl genährt werden. Ich bin jedoch erleichtert, dass es mir möglich ist, für die Schreibarbeit in Japan sein zu können. Ich bin mir nicht sicher, wo ich sonst all meine Literatur hätte aufgetrieben (da hat mir das Leben verschmitzt zugezwinkert, als ich Herrn Zucker in die Arme gelaufen bin).

Auch von Betreuendenseiten jeglicher Nationalitäten kamen bisher nur positive Rückmeldungen zu meinem Thema. Zuletzt letzte Woche als unser Studiengang ein pompöses Symposium zu den Themen unserer Masterarbeiten abhielt. Soweit vorhanden wurden BetreuerInnen 1,2 und 3 eingeladen, eine fünfzehnminütige Präsentation auf Japanisch zusammengeschustert, und auf auf ging es in das wilde akademische Debattieren. Kompetent sah ich wohl aus, intellektuell ist jedoch immer noch ein Kunststück, japanische Argumentationsketten in meine Hirn sinnvoll zu verknüpfen (ein unbekanntes Wort und schon zerspringt die sorgsam eingefädelte Wortperlenkette, ach herrjemine). Ich bin mir zwar immer noch nicht ganz gewiss, wie ich fünf ProfessorInnen (Japan 3 : 2 Deutschland) mit meinen wissenschaftlichen Auswüchsen beglücken soll; zumindest lässt mich das Bewusstsein meines Statutes als Versuchskanninchen des Nachts einigermaßen ruhig schlafen, haha.

Eine angenehmer Effekt dieses betreuungsintensiven Studiums ist, dass ich mich mit noch einigen persönlichen nicht ganz ausgebügelten Stellen auseinanderzusetzen gefordert sehe. Dank meiner Schwester und ihrem wunderbaren Drang zum Selbstwissen, meinen lieben Freunden und ihren Ohren und großen Herzen habe dafür jedoch die richtigen Instrumente zur richtigen Zeit in die Hand bekommen, die mir zur kleinen Fortschritts-tippelchen verhelfen. Wie bereits bei meiner Bacherlorarbeit verläuft diese Reise zum Abschluss nicht nur auf dem akademischen Weg sondern parallel ist meine persönliche Entwicklung ebenfalls gefordert. Das intensive Auseinandersetzen mit komplexen Sachverhalten und Sinnzusammenhängen scheint in meinem Gehirn erneut die Synapsen regelrecht in alle Richtungen ausschwingen zu lassen und mit bisher unbekannten Synapsmitbewohnenden in Kontakt kommen. Das klingt nun fast, als wäre mein Kopf ein riesiges Multikultiviertel haha.

Und da dies mir anscheinend noch nicht genug ist, habe ich einen dritten Weg hin zur Jobsuche eröffnet, der momentan aber zugegeben noch den Anfängen eines Trampelpfades gleicht. Dank einer glücklichen Fügung habe ich Bekanntschaft mit der Freundin einer Freundin gemacht, welche selbst schon länger in Japan arbeitet und mit mir wertvolle Tipps und Erfahrungen getauscht hat. Wie erfrischend und motivierend es doch immer wieder ist, sich mit zielstrebigen und engagierten Leuten zu unterhalten. Und wie zuvor auch ist diese Person aus dem Nichts aufgetaucht und verhalf mir zu einigen Schritten vorwärts. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, diese ganzen nervös-zappeligen Zukunftsängste zu entlassen. So bald ich mich größeren und vagen Meilensteine nähere, desto mehr tauchen denn auch plötzlich Wegweise auf. Na denn, Leinen los und auf ins offene Meer.

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