Spezial: Der Wahnsinn eines Doppelmasterabschlusses.

Seit Monaten trage ich nur einen einzigen Gedanken mit mir herum, der mich einfach nicht loslassen will. Wenn ich morgens aufwache, blitzt er sofort vor meinem inneren Auge wie eine  Chatnachricht aus dem Universum auf – ohne das eindringliche Gepiepes. Wenn ich bücherschleppend von Tokyo nach Tsukuba fahre, während ich in meinem Café Pfannkuchen vor glitzernde Gästeaugen stelle, wenn ich stöhnend unter der Sommerhitze mich unter der Klimaanlage von einer Seite auf die andere wälze. Immer, immer wieder frage ich mich: Warum?

Warum?!

Warum in aller Welt habe ich mich entschieden einen zweifachen Masterabschluss zu machen?! Und dann auch noch auf Japanisch!! Eine Sprache, die laut dieser Grafik einer der schwer zu lernendsten Sprachen für englische MuttersprachlerInnen ist (neben Koreanisch, Chinesisch und Arabisch). Was zum Teufel hat mich da bitte geritten! Irgendjemand, bitte erkläre es mir! ! Ein beständig wachsender Teil meiner Psyche will mein Ich vor zwei Jahren mit Natto (vergohrene Sojabohnen, eine japanische Spezialität) bewerfen. Oder deftig einseifen. Autoimmunaggressionen? Man weiß es nicht.

Die Tsukuba Universität lässt es sich nämlich nicht nehmen, den armseligen Seelen, die sich für einen Masterstudium einschreiben (etwas, dass anders als in Deutschland nicht die Norm ist), drei “BetreuerInnen” an die Seite zu stellen. Diese sind mitunter (auch anders als in Deutschland) sehr daran interessiert, zu wissen was ihr Schützling denn so fabriziert. Für mich als eher introvertierte Person ist das mitunter eine große mentale Anstrengung, mich dermaßen zu exponieren – aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und nichts im Leben scheint umsonst zu passieren. Ich neige meinen Kopf bescheiden und lasse mich weiter das Leben mein LehrmeisterIn sein.

Mein momentaner Alltag besteht daher überwiegend aus Lesen japanischer Texte, Zeitungsartikel, Nachschlagen von Wörtern, die ich trotz 5 Jahren Japanischstudiums noch nie gehört habe, und Wälzen von Schreibanleitungen zum akademischen Schreiben auf Japanisch. Daneben schleicht sich langsam der Gedanke (nächste Nachricht vom Universum) ein, dass die Jobsuche ja auch langsam mal angegangen sollte. Bewerbungsfotos, japanischer Lebenslauf, Stellenanzeigen suchen, Vorlieben und Neigungen ausmachen, zwischendurch beim  Yoga den ganzen angestauten Stress und die Zukunftsängstigungen wieder auswringen. Zum Glück kann ich mit Herrn Zucker derweil Tokyo durchdaten (gottseidank ist Tokyo so groß, daher wird das nicht so schnell langweilig), so dass ich zumindestens einigermaßen als postmoderner Mensch behaupten kann, eine Work-Life Balance zu besitzen. Letze Woche haben wir dann auch etwas ganz Unkonventionelles gemacht Anstatt wie der Rest Tokyos nach dem Feierabend in eine Kneipe oder im Sommer Biergarten bei teuer Bier und durchschnittlichem Essen den Tag ausklingen zu lassen, habe ich, inspiriert von der Flussflaniervorliebe der Frankfurter und den vielen Flüssen in der Umgebung habe ich mir den Freund, meine Yogamatte und indisches Curry geschnappt. Wir haben uns an einen der Flüsse gesetzt und bei Taifunähnlichen Windböen (den Taifun hatte ich vergessen, bin doch noch deutsch, haha) unser Curry und die Freilandsicht auf den Tokyo Skytree mit smartphongesponserter Musik genossen.

12457821295_07aea79ab9_z Der da (Courtesy by Luke Ma(CC))

Wunderbar wars! Am schönsten war der Skytree, der gegen 20 Uhr plötzlich dunkel wurde und dann in romantischrosa-orangenem Design durch die Abendnacht funkelte. Mein inneres Shojomanga-geprägtes Wesen (Comics speziell für Mädchen, voller Liebe, Schnulz und Yukata) war höchst verzückt.

スクリーンショット 2015-07-22 12.10.16 Man suche das rote Kreuz, da saßen wir!

Ohne diese kleinen Spirenzchen wäre ich wahrscheinlich schon eingegangen wie die Sonnenblumen in der brühenden Hitze hier auf dem Campus.

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