November – Identität in Bearbeitung

Wer eine gewisse Zeit das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit mir Zeit zu verbringen, weiss, ich bin ein Arbeitstier. Ohne Todo-liste erscheint mir das Leben manchmal wie ein einziges ungebedäntigtes Chaos, nichts als reine Barbarei, haha. Das hängt damit zusammen, dass ich ohne einen abgesteckten Rahmen gerne mal den Überblick verliere und mich leicht überfordert fühle, haha. Die Ziele, die ich mir lose für meinen Aufenthalt in Seoul gesteckt hatte, waren daher wie folgend:

■ Leben in Korea:
Das Leben in seiner koreanischen Ausführung erleben, damit verbunden, koreanische Freunde finden, Lieblingsorte in Seoul entdecken, kleine koreanische Eigenarten und Besonderheiten ausfindig machen
Mich in Seoul heimisch fühlen
Koreanisch lernen

■ Persönlich:
Mich als Mensch weiterentwickeln, sicherer werden

■ Beruflich:
Hinweise und Inspirationen für meine berufliche Zukunft finden
Mein Masterarbeitsthema verfeinern

Ich hatte auch hohe Erwartungen an mich, die ich mich im Laufe meines Aufenthaltes wieder zurückzuschrauben gewzungen sah. Ich merkte irgendwann, dass ich in Korea nicht mit demselben Referenzrahmen wie Japan leben konnte. Das meint zum einen natürlich die Lebensweise. Meine zurückhaltende Art fügte sich recht gut in Japan ein, in Korea jedoch wurde ich damit oftmals übergeganen. Schwupps waren drei Leute vor mir in der Schlange im Supermarkt, an der Ubahn, im Bus. Korea wirkte zugleich wilder un den Maße wie das sozialen Hierarchiekorsett strenger geschnürt war. Trinken bis zum Umfallen, und Verbeugungen vor den LehrerInnen auf dem Campus waren bspws. Formen von Verhalten, welches in Japan an beiden Enden schwächer ausgeprägt sind.
Zum anderen war dann meine kulturellen und sprachlichen Kenntnisse. Mein sturer Kopf musste sich irgendwann der Wahrheit beugen, dass ich nicht so schnell mit meinem Koreanisch voranschreiten würde, wie ich angenommen hatte. Das lag an der Zeit, die ich bis dato ins Koreanische investiert hatte, wie auch in die Kultur und das Leben. Ich befand mich auf einem gänzliche anderen Niveau als bei meinem ersten Aufenthalt in Japan. Zudem war die Zeit kürzer. Meinem Erhgeiz gefiel es wirklich gar nicht, aber ich sah ein, dass ich Korea nicht fließend sprechend verlassen würde. Dies jedoch dann einmal erkannt, nahm mir nichts an der Freude, mit meiner lieben Freundin Hanna jede Woche Koreanisch zu lernen.

Zudem hatte diese Erkenntnis eine weitere für mich sehr bedeutsame und Konsequenz. Ich lernte, wie es sich anfühlt, der Landessprache nicht mächtig zu sein. Und das ist mitunter nicht unbedingt angenehm. Andauernd auf andere Menschen, deren Englischkenntnisse angewiesen zu sein, war teilweise sehr erschöpfen und frustrierend. Zugleich aber auch Treibstoff meines Ergeizes!

Während also einige zu hoch gesteckten Ziele aufgrund der Gegebenheiten unerreichbar blieben, gelang es mir trotzallem, mich in trotz anfänglicher Bedenken in Korea wirklich pudelwohl zu fühlen. Schlön war auch das Feedback von einigen Freundinnen zu hören, dass ich sicherlich nach einem Jahr in Seoul gut Koreanisch sprechen könne. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja noch einmal hier her!

In der Zwischenzeit verfiel ich übrigens hoffnungslos dem koreanischen Tee! Was diesen von anderen Tees unterscheidet ist nämlich die Verwendung von Fruchtstücken, Samen, Kernen, Wurzeln, Beeren, Honig, alles, was sich so finden lässt! Gegen Schluss durfte ich daher Zitronentee mit Honig, Apfelingwertee mit Honig und chinesischen Datteltee mit Honig mein Eigen nennen. Na, Lust bekommen? Ich auch, haha! Nicht zu sprechen von meiner Kimchisucht … selbes Spiel, es gibt unzähliche Sorten! Nämlich nicht nur das bekannte Kohl-Kimchi, auch Gurke, Rettich, Fisch, Kräuter, weißes Kimchi werden überall köstlich zubereitet! Dank meiner lieben Freundin kam ich sogar in den Genuss von original selbstgemachten Kimchi aus dem Hause einer koreanischen Hausfrau! Mannomann, habe ich Tränen geweint. Natürlich nur aus Freude, nicht weil es höllenscharf war … 😉

Den krönenden Abschluss dieses Monates machte da nun Herr Zucker, der nach einigem Hin und Her nochmals für ein Wochenende im Dezember zu Besuch kam. Laut seinen Worten: wenn ich soviel Geld habe, um mit meinen Kollegen am Wochende golfen zu gehen, warum denke ich dann überhaupt darüber, dich zu besuchen?

Es ist überflüssig zu erwähnen, dass ich ihn für die Aussage am liebsten geknutscht hätte, wären da nicht der Monitor und ein Haufen Datensalat zwischen uns gewesen, hihi.

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