Oktober – Inmitten…

Mitten im Semester.
Mitten im Sprachenlernen.
Mitten in der Orientierung vor dem Abschluss.

Eine der schönen Sachen, die sich mormentan entwickeln, sind meine Koreanischkenntnisse. Da ich fast jeden Tag Vokabeln lerne, ernte ich langsam Früchte dieser Arbeit. Aus dem Wortbrei schälen sich langsam Bedeutungskluster heraus, einzelne Wörter und Sinnzusammenhänge werden sichtbar. Beim Musikhören oder Serienschauen bilden sich langsam Wortketten aus Nomen und Verben. Ganz langsam gewinnt das ganze Wörterwirrwarr an Struktur, Ordnung und Sinn. Ich bin stolz! Noch ist nicht abzusehen, ob und wie ich mein Koreanisch nach dem Semester in Seoul weiterverwenden werde, aber das tut dem Spaß keinerlei Abbruch! (Schon liebäugele ich auch mit anderen Sprachen, die ich mir allein oder zusammen mit Herrn Zucker, aneignen möchte. Je mehr Sprachen ich kenne, desto mehr Sprachen möchte ich kennen, ein unerwarteter Suchtfaktor!)

Zudem bin ich entzückt von den vielen Eigenschaften des Koreanischen, welche ich teilweise im Japanischen schon lieb gewonnen habe. So gibt es beispielsweise Onomapoetika, die gewisse Stimmungen, Gefühle oder Sinneseindrücke wiedergeben. Meistens bestehen sie aus 1-2 sich wiederholenden Silben und erzeugen in mir eine unbändige spielerische Freude beim Sprechen. So nennt sich der Zustand, dass man durch die ruckelige Ubahn herumwackelt wird 비틀비틀 (piteul-biteul). Wenn man am Wochenende den ganzen Tag zuhause herumfaulenzt, ist das 뒹굴뒹굴 (twingul-dwingul) oder auf Japanisch ごろごろ (gorogoro): herumrollen. Dank Herr von und zu Zucker hat sich mein Wortschatz in dieser sicher auch um einiges erweitert! Deswegen habe ich mir von meiner Tandempartnerin Hanna einige andere Wörter beibringen lassen: 똑똑 ddogddog (gescheit sein), 주륵주륵 jureugjureug (Geräusch von strömendem Regen), 반짝반짝 panjjagbanjjag (glitzern).
Weiter liebt es das Koreanische, durch seine aggluttierende Eigenschaft, dolgendes zu tun : Wörter werden verschleift, Wortendungen mit Konsonanten an Wortanfänge mit Vokalen nahtlos aneinander genäht. (Deswegen ist es zu Anfang etwas schwer zu verstehen. Aber Übung macht ja den Meister … !) Auch diese Charakteristik finde ich inzwischen sehr charmant. Zudem beginne ich durch regelmäßigen Serienkonsum, typische Alltagsgeräusche, die Koreaner so von sich geben, zu adaptieren: Aigu, ein Ausruf der Frustration oder Unzufriedenheit entschlüpft mir bereits recht natürlich, andere Ausdrücke sind in Übung (Aiissh, für leichten Ärger, Ya! um Aufmerksamkeit zu erregen (bspw. wenn sich Leute vor einen in der Schlange drängeln, etwas, mit dem ich immer noch nicht klarkomme, haha))

Anfang Oktober hatte ich für ein Wochenende dann Besuch von einem lieben Freund aus Tōkyō. Er verhalf mir auch ganz unverhofft zu einer koreanischen Vegetarierin-Bekanntschaft. Nach einem Besuch in einem der Paläste, einer Nacht mit Feuerwerk (unsere Freunde sahen scherzhaft eine Romanze sich anbahnen, und rieten Herrn Satō, auf mich aufzupassen, hehe) und natürlich Karaoke, fanden wir uns am Montagmorgen, seine Rückreise durch einen wütenden Taifun um einen Tag verlängert, in einem vegetarischen Restaurant in Dapsimni (Westseoul) wieder. Wir genossen vorzügliches Essen, und durch seine kontaktfreudige Art freundete er sich mit der Bedienung an, so dass sie am Ende ihrer Schicht sogar mit uns loszog! Es gibt so Begegnungen im Leben, die passieren in richtigen Moment mit der richtigen Person, die auf wundersam einfache Weise auf die eigene chemische Sympathiestruktur abgestimmt ist! Schon bei unserem nächsten Treffen verbrachten wir ca. vier Stunden beim Abendessen und in einem Cafe in Itaewon, ein Thema nach dem anderen kam auf, es schien kein Ende nehmen zu wollen. Unabhängig von dem Land, in dem man sich befindet, sind es für mich genau diese Art von Begegnungen, die Stadtbilder, Kulturausprägungen wie Essen, Verhalten, Kleidung, etc. mit Leben und Bedeutung füllen. Solch Menschen zu finden ist für mich eines der wertvollsten Erfahrungen, unabhängig von Land und Kultur. Und ich habe das Glück, solche wunderbaren Menschen in meinem Leben heimisch zu nennen. 🙂

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